Was ist das?

Bei einer zentralen AVWS ist das Ohr normal entwickelt und funktionstüchtig, allerdings werden die Höreindrücke im Gehirn unzureichend verarbeitet (automatische Leistung des Gehirns) und / oder wahrgenommen (bewusste Leistung des Gehirns). Diese Störung kann verschiedene Teilleistungen der zentralen Hörverarbeitung betreffen. Zusammenfassend möchten wir Ihnen anhand von Beispielen einige Bereiche der zentralen Hörverarbeitung erläutern, die in unserer Untersuchung eine wichtige Rolle spielen.

Wir konzentrieren uns dabei auf die Prüfung der Hörverarbeitung von Sprachreizen.

Konzentration und Aufmerksamkeit:
Für alle gezielten Aufgabenstellungen braucht ein Kind ein gewisses Maß an Aufmerksam- und Konzentrationsfähigkeit. Dazu gehört die Leistung, wichtige von unwichtigen Hörreizen zu unterscheiden und die unwichtigen Reize auszublenden (Reizfilterung).

Der wichtige Hörreiz muss über eine längere Zeit verfolgt werden können oder immer, wenn er ertönt, als wichtig erkannt werden und dazu führen, dass andere Reize in den Hintergrund treten. So weiß z. B. ein Kind im Stuhlkreis, wenn es dran ist und schaut auf, wenn die Stimme der Lehrerin ertönt. Konzentration und Aufmerksamkeit können aber auch von anderen Faktoren beeinflusst werden: Ist das Kind z. B. aufgeregt? Hat es Interesse für die Aufgabe? Ist es ausgeruht oder erschöpft?

Merkfähigkeit / Reihenfolgegedächtnis:
Ein Schüler muss sich mündliche Aufträge und deren Reihenfolge merken können, um Aufgaben selbstständig zu erledigen. Beim Diktat müssen mehrere Wörter behalten werden. Wenn ein Schüler ein Wort in einzelne Laute zerlegt, um herauszufinden, welche Buchstaben er schreiben soll, muss er sich deren Reihenfolge merken können.

Lautanalyse / Lautsynthese, Differenzierung:
In der ersten Klasse müssen Kinder schnell in der Lage sein, den Anlaut eines Wortes herauszuhören, danach den entsprechenden Buchstaben damit zu verbinden und sich diesen dauerhaft zu merken (a wie Affe...). Genauso wichtig ist es, die Position eines Lautes im Wort herauszuhören (z.B. hört man das "sch" bei "Tisch" am Ende des Wortes). Bald müssen die Kinder lernen zu lautieren, um am Ende der ersten Klasse lautgetreu schreiben zu können. Dabei müssen ähnlich klingende Laute voneinander unterschieden werden können (Differenzierung: z.B. d und t bei "Dorf" und "Torf", b und p bei "backen" und "packen", g und k bei "Kreis" und "Greis", u und o bei "Buden" und "Boden", m und n bei "keimen" und "keinen" usw.)

Zunächst muss das Kind aber lernen, die Laute eines Wortes zu isolieren (Lautanalyse), ihre Reihenfolge beizubehalten (Reihenfolgegedächtnis) und sie wieder zusammenzufügen (Lautsynthese), bis ein geschriebenes Wort daraus wird, das für alle erkennbar ist. Dieser Prozess muss sich rasch automatisieren, damit ein zügiges Lesen und Schreiben möglich wird, sich die schriftlichen Formulierungsfähigkeiten erweitern und die zusätzlichen Regeln unserer Schriftsprache erlernt werden können.