in Zusammenhang mit...

Sprachentwicklungsstörungen treten oft auch im Zusammenhang mit anderen Besonderheiten auf.

... Mehrsprachigkeit

Jedes zweisprachig (bilingual) oder mehrsprachig (multilingual) aufwachsende Kind kann Sprachauffälligkeiten entwickeln. Die Mehrsprachigkeit ist aber nicht die Ursache für diese Auffälligkeiten.
Der Verlauf des mehrsprachigen Spracherwerbs ist nicht generell langsamer, oft kann der Erwerb der einen Sprache auch den Erwerb der anderen Sprache(n) "beschleunigen". Abhängig ist dieses von der Qualität (Sprachvorbild der Eltern, Vermittlung von bspw. Wortschatzwissen ...) und der Quantität (Kontaktzeit mit den Sprachen) des Inputs.
Durch mangelnde Förderung der "zweiten" Sprache kommt es oft zu einer Mischform zwischen Sprachentwicklungsstörung und "unvollständigem Zweisprachen-Erwerb" (Jenny, C.; 2008). Nicht nur die Muttersprache, sondern auch die Zweitsprache ist betroffen. Deshalb weisen diese Kinder oft Sprachauffälligkeiten mit einem höheren Schweregrad auf.

... Kindlichen Hörstörungen

Bleibende oder vorübergehende Veränderungen des Hörorgans können zu Hörstörungen führen. Einschränkungen des Gehörs treten ein- oder beidseitig auf und kommen in kontinuierlicher Abstufung von fast normaler Hörfähigkeit über Schwerhörigkeit bis hin zum vollständigen Ausfall des Hörsinns vor. Eine vollständige Gehörlosigkeit tritt selten auf. Die Einteilung von Hörstörungen richtet sich nach Ursache, Art, Ausmaß und Lokalisation des Hörverlustes. So wird bspw. zwischen einer Schallleitungsschwerhörigkeit, einer Schallempfindungsschwerhörigkeit und einer kombinierten Schwerhörigkeit unterschieden.

Bei Hörstörungen kommt es beinahe immer zu Störungen der Sprache, des Sprechens und/ oder der Stimme:

  • Aussprachestörungen

  • Dysgrammatismus

  • eingeschränkter Wortschatz

  • ggf. als Folge Einschränkungen der schriftsprachlichen Fähigkeiten

  • Veränderungen der Stimmgebung (zu laut, zu hoch, gepresst ...)

  • verstärkte Nasalität ("Näseln")

  • Veränderungen der Sprechmelodie (Betonung, ...)

  • ...

Je früher eine Hörstörung erkannt wird, desto früher können therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden, damit die Hörbahnreifung "optimal" unterstützt werden kann. Die erste Überprüfung des Gehörs passiert kurz nach der Geburt mittels des Neugeborenen-Hörscreenings.

... Syndromen

Verschiedenste Syndrome (bspw. Trisomie 21, Asperger- Syndrom, Rett- Syndrom, fötales Alkoholsyndrom, fragiles X- Syndrom uvm.) können die Sprachentwicklung beeinflussen.
Es können alle Bereiche der Sprachentwicklung betroffen sein. Aufgrund der genetischen Veränderung ist eine normgerechte Sprachentwicklung trotz logopädischer Therapie nicht zu erwarten.

Maßnahmen, die die fehlende Lautsprache ergänzen oder ersetzen, werden als Unterstützte Kommunikation (UK) zusammengefasst.

... Psychischen Faktoren

Auch psychische Faktoren können die Sprachentwicklung beeinflussen.
Die häufigste Form dieser Kommunikationsstörung ist der (selektive) Mutismus.
Hierbei handelt es sich um ein zeitweiliges situationen- und/ oder personenbezogenes bzw. vollständiges Nichtsprechen bei intakter Hör-, Sprach- und Sprechfunktion.
Laut ICD-10 "... tritt die Störung erstmals in der frühen Kindheit auf, mit ungefähr gleicher Häufigkeit bei beiden Geschlechtern. Meist ist der Mutismus mit deutlichen Persönlichkeitsbesonderheiten wie Sozialangst, Rückzug, Empfindsamkeit oder Widerstand verbunden. Typischerweise spricht das Kind Zuhause oder mit engen Freunden, es ist jedoch in der Schule oder bei Fremden mutistisch (...)".