Was ist das?

Man spricht von gestörter Sprachentwicklung, wenn es zu deutlichen zeitlichen Verzögerungen (Sprachentwicklungsverzögerung) und/oder anders als normal verlaufenden Sprachentwicklung in einem oder mehreren sprachlichen Bereichen (Sprachentwicklungsstörung) kommt.

Die Auffälligkeiten können sich in unterschiedlichem Ausmaß in folgenden Bereich zeigen:

1) Sprachverstehen

Trotz intakten Gehörs wird die Bedeutung von Wörtern und Sätzen nicht verstanden. Das Kind ist nicht in der Lage „Bedeutungen“ zu entschlüsseln. Diese Störung fällt im Alltag oft nicht auf, weil die Kinder sich am Situationszusammenhang sowie der Mimik und Gestik des Gesprächspartners orientieren und dadurch „wissen“ was gemeint ist.

2) Aussprache (Artikulation)

Eine Aussprachestörung kann zwei unterschiedliche Erscheinungsbilder haben.
Zum Einen kann es zu
Laut-Fehlbildungen kommen, die sich durch einen veränderten Klang des Lautes darstellen. Die bekannteste Lautfehlbildung ist das „Lispeln“ (Sigmatismus), wobei die Zunge bei der Bildung der S-Laute die Zähne berührt.

Zum Anderen kann es zu Auslassungen oder Ersetzungen/ Vertauschungen von Lauten oder Lautverbindungen kommen. Oft betroffen sind bspw. die Laute /t/ und /k/ („Komm her!“ > „Tomm her!“) sowie /d/ und /g/ (Gabel > Dabel).

In beiden Fällen können alle Laute betroffen sein. Beides kann auch gekoppelt vorliegen!

3) Wortschatz

Der Wortschatz jedes Menschen ist individuell groß und ausdifferenziert. Das liegt an der Menge der (Lebens-)Erfahrungen, des Weltwissens uvm. Jedoch sollte der Wortschatz eines Kindes bis zu einem bestimmten Alter einen gewissen Umfang haben. Ist dieses nicht der Fall, spricht man von einer Wortschatzstörung im Sinne eines Wortschatzmangels. Diese Kinder schaffen es nur schwer den Input (die gehörten Wörter) zu verarbeiten, abzuspeichern und dann selber zu verwenden.

Eine Wortschatzstörung kann sich aber auch in Problemen bei der Kategorienbildung und Wortschatzstrukturierung darstellen oder sich in Form einer Wortfindungsstörungäußern.

Alle drei Störungen können auch gemeinsam auftreten. Oft sind sie auch die Ursache für das Vorliegen einer Störung der Grammatik.

4) Grammatik

Grammatikstörungen (Dysgrammatismus) zeigen sich durch eine fehlerhafte Anwendung grammatikalischer Regeln bei der Bildung von Sätzen und/ oder durch fehlerhafte Anpassung des Wortes an Person, Zeit usw.

Beispiele:
„Ich will der Ball haben!“
„Hannah nach Hause will.“
„Opa ist weggeganget.“
„Ein Haus - Zwei Häusers.“

Viele dieser „Fehler“ sind bis zu einem bestimmten Erwerbsalter „normal“. Wenn sich die Grammatikstruktur jedoch nicht verändert und das Kind die Grammatikregeln nicht sicher lernt anzuwenden, spricht man von einer Grammatikstörung.

5) Kommunikation

Dieser Bereich beschreibt den Gebrauch der Sprache im situativen und sozialen Kontext. Menschen handeln durch Sprache; die Gebrauchsfunktion der Sprache ist die Kommunikation. Eine Störung der Kommunikationsfähigkeit kann sich folgender Maßen darstellen:

  • fehlerhafte Deutung von Mimik, Gestik, Prosodie (Satzmelodie)

  • fehlender Blickkontakt

  • „Ignorieren“ oder falsche Interpretation des Gesprächspartners (Beendigung des Gesprächs, Sprecherwechsel etc.)

  • „Vergreifen“ in der Wortwahl

  • mangelnde Einhaltung von Gesprächskonventionen (bspw. Unterbrechen des Gesprächspartners)

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